Gestern Abend habe ich sowohl den klaren Himmel beim Sonnenuntergang, wie auch in der Nacht genutzt, um meine Kenntnisse im Umgang mit Licht und der Kamera zu verbessern.
Selbstverständlich gehört Azrael mit auf die Bilder, ist ja auch sein Blog.
Ich hoffe, die Bilder gefallen Euch und Ihr könnt heute Abend den Sonnenuntergang genießen, bevor die neue Woche wieder beginnt und das Wetter ja schlechter werden soll.
Ich wünsche Euch allen eine ruhige und friedliche Nacht. Mögen Euch die Geister wohlgesonnen sein.
Heute war ich fast den ganzen Tag unterwegs und werde im Laufe der Woche darüber berichten, bevor es am Freitag dann auf die nächste, längere Fahrt mit Azrael geht – Ziel:
Scientia mortuorum – Von der Wissenschaft der Toten
Wir hatten einer Obduktion zugestimmt, aber die lieferte auch keine Hinweise auf die Ursache für seinen Tod.
Warum?
Wie oft habe ich mir diese Frage gestellt, immer und immer wieder.
Letztendlich musste ich mich damit abfinden, auf diese Frage keine Antwort zu erhalten. Hat lange gedauert…
Als wir im Beerdigungsinstitut die Trauerzeremonie besprachen, fragte mich die Bestatterin, ob ich den meinen Sohn von der Trauerhalle bis ans Grab tragen wolle.
Heute bin ich für diese Frage dankbar und ein Klein wenig ärgere ich mich darüber, das ich damals nicht ja gesagt habe. Damals schossen mir andere Gedanken durch den Kopf.
Ich glaube die erste Empfindung war eine Mischung aus Empörung und Unglaube, im zweiten Takt, die Befürchtung unterwegs zu stolpern oder die Kraft zu verlieren. Und im dritten Moment auch, das ich ja dann meine Frau nicht begleiten könnte.
Männer! Beschützer… ja, ich glaube so ein bisschen Ego hat da auch eine Rolle gespielt.
Und dann – ja dann kam die Leere – dieses unendliche Nichts, was irgendwie gefüllt werden musste. Mit Aktivität, mit „das Leben geht weiter“, mit Arbeiten gehen, mit „Über-„Leben.
Ganz ehrlich – BESCHEUERT!
Doch wie trauert man(n) (in dieser Gesellschaft)?
Wie ist das mit unserer westlichen Trauerkultur?
Lassen wir heutzutage Trauer zu?
Hört mal in Euch rein, denkt mal über Trauer(rituale), die ihr kennt, nach?
„Endet? … Nein, hier endet die Reise nicht. Der Tod ist nur ein weiterer Weg, einer, den wir alle gehen müssen. Der graue Regenvorhang dieser Welt wird zurückgezogen und alles verwandelt sich in silbernes Glas … Und dann siehst du es …“
Pippin:
„Was, Gandalf? Was sehe ich?“
Gandalf:
„Weiße Strände … und dahinter ein fernes grünes Land hinter einer rasch aufgehenden Sonne.“
Pippin:
„Na, dann ist es doch nicht so schlimm …“
Gandalf:
„Nein, das ist es nicht …“
aus „Herr der Ringe (Film), Tolkien
Wie kann etwas enden, das noch nicht einmal begonnen hat?
Ich weiß, das es schwer vorstellbar ist, doch versucht es einmal. Versucht Euch vorzustellen, wie das wäre, wenn Ihr für etwas über einen längeren Zeitraum Vorbereitungen trefft, Einkäufe tätig, Eure Wohnung umgestaltet, für den Moment, an dem ein neuer Erdbürger zu Euch nach Hause kommen soll und dann…
Wir waren Abends noch bei Verwandten gewesen und alles war in Ordnung. In der Nacht ging es meiner Frau schlechter und wir fuhren ins Krankenhaus. Meine Frau hatte Fieber und Schüttelfrost, von einem Moment zum Nächsten.
Nach einiger Zeit normalisierte sich Ihr Zustand, die Herztöne des Kleinen waren normal und sie kam auf Station und ich fuhr relativ beruhigt nach Hause, um am nächsten Morgen wieder ins Krankenhaus zu fahren.
Dann klingelte das Telefon und die Hebamme bat mich, ins Krankenhaus zu kommen. Erst auf Nachfrage teilte Sie mir mit, dass keine Herztöne mehr vorhanden seien…
Dort angekommen wurde die Geburt eingeleitet und mein Sohn kam auf diese Welt.
Ich bin so froh und Dankbar, das mir damals meine Frau meinen Sohn einfach in den Arm gelegt hat. Denn ich war zu diesem Zeitpunkt mit einer solchen Flut von Emotionen – auch Wut auf Ihn – erfüllt…
In den Tagen danach war ich dann mit Überleben, mit der Organisation und mit der Trauer meiner Frau beschäftigt, so das ich meine Trauer gar nicht zulassen konnte.
Der Mann hatte ja eine Aufgabe – „jagen gehen“ …
Ich kann es nur immer wieder sagen:
Männer, schämt Euch Eurer Tränen nicht! Lasst den Schmerz zu! Denn, um es mit den Worten von ASP zu sagen:
„Nur wer sich öffnet für den Schmerz, lässt auch die Liebe mit hinein“