Ein Leichenwagen und seine Erlebnisse

Kategorie: Friedhof (Seite 12 von 18)

Besuch eines Friedhofs

Naturfriedhof Langen

Es geht auch anders…

Gestern war ich auf Ahnenreise und dabei habe ich mir natürlich den Friedhof in Gänze angeschaut. Das Konzept des Friedhofes – nicht nur eine Ruhestätte zu sein, sondern auch natürlicher Lebensraum für Tiere und Pflanzen, ist sehr gelungen umgesetzt.

Nachdem man den „alten“ Teil mit jüdischem Friedhof inmitten des Friedhofes durchquert hat, kommt man in einen Bereich, in dem man sehr wenig oberflächenversiegelte Bereiche findet.

Bäume, Sträucher und Wildblumenstreifen mit Bienenkästen, Vogelhäuser, Nistkästen ergeben ein Gesamtbild, welches sehr gelungen mit den Gräbern kombiniert ist.

Ganz besonders fand ich auch dies:

Ermöglicht es doch, auch seinen Angehörigen zu gedenken, die weit ab beerdigt sind.

Auch ein gerne in unserer heutigen Zeit vergessenes Thema wird einem vor Augen geführt:

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

Ahnenreise

Den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung

Heute habe ich meinen Opa, den ich nie kennengelernt habe, besucht. Wobei er sicher nicht dort beerdigt ist, sondern irgendwo im Osten seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

1906 geboren und 1943 „im Krieg geblieben“ – damals war sein Sohn, mein Vater, gerade mal 3 Jahre und hat sicher keine Erinnerungen an Ihn.

Bis vor 5 Jahren wusste ich noch nicht einmal, das es dort einen Grabstein von Ihm gibt. In der Regel findet man ja meist irgendwo eine größere Gedenktafel auf denen die „Söhne der Stadt“ verewigt sind.

Die Sterne sind nicht immer da

Es kommt ein Morgenrot.

Doch der Soldat, so wie er’s gelernt

Zieht in den Heldentod.

Legende vom toten Soldaten – Bertolt Brecht

Kinder sterben leise

und Eltern trauern einsam

Grabfigur Rosenhöhe Darmstadt
Prinzessin Elisabeth Marie Alice Victoria von Hessen und bei Rhein

Naja, diese Beerdigung war sicherlich keine leise, denn schließlich handelte es sich bei der Toten um eine Prinzessin, die im Alter von 8 Jahren verstarb…

Doch in der Regel wird der Tod eines Kindes und insbesondere eines ungeborenen Kindes als Versagen der Eltern angesehen. Die Eltern fühlen sich oft ausgegrenzt, missverstanden und mit einem Schandmal gezeichnet.

Ich wohne in einer kleinen Ortschaft mit damals 1.500 Einwohnern. Wir hatten damals eine sehr verständnisvollen Pfarrer, der wusste, wie neugierig und „gesprächig“ die Dorfgemeinschaft war.

Normalerweise läuten die Glocken nach Bekanntwerden des Todesfalles 10 Minuten vor der Beerdigung. Unser Pfarrer unterlies dies und Niemand wusste vorher, wer da beerdigt wird, damit wir in Ruhe Abschied nehmen konnten.

Sicher sprach sich unser Schicksal danach rum und die Anteilnahme war schon sehr groß. Doch gleichzeitig hatte man immer das Gefühl, das diese Anteilnahme auch eine gehörige Portion Neugierde beinhaltete.

Und nach einiger Zeit hatte man das Gefühl – auch innerhalb der eigenen Familie – das genug getrauert sei und man sich dem Leben zuwenden solle.

Ich für meinen Teil musste ja auch relativ schnell in die „Normalität“ zurück und arbeiten gehen. Danach war ich so mit der Trauer und Sorge um meine Frau beschäftigt, dass ich Selbst meine Trauer und ganz besonders mein Hadern mit Gott nicht zu ließ.

Dies ist heute zum Glück anders, doch es wird immer wieder diese Tage geben, an denen ich zurück blicke.

Mit Stolz zurück blicke, denn irgendwann und diese Worte sind an alle gerichtet, die aktuell trauern – egal um wenn Sie gerade trauern – irgendwann geht auch diese tiefe Traurigkeit im Herzen vorbei und es wird Momente geben, an den Eure Herzen mit soviel Liebe und Glück gefüllt ist, das Ihr vor Freude weint.

Wenn Ihr Eurer Trauer und euren Tränen von Anfang an den Raum lasst, den Ihr braucht.

Schämt Euch nicht Eurer Tränen, Männer!

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