Ein Leichenwagen und seine Erlebnisse

Kategorie: Friedhof (Seite 13 von 18)

Besuch eines Friedhofs

Kinder sterben leise

und Eltern trauern einsam

Grabfigur Rosenhöhe Darmstadt
Prinzessin Elisabeth Marie Alice Victoria von Hessen und bei Rhein

Naja, diese Beerdigung war sicherlich keine leise, denn schließlich handelte es sich bei der Toten um eine Prinzessin, die im Alter von 8 Jahren verstarb…

Doch in der Regel wird der Tod eines Kindes und insbesondere eines ungeborenen Kindes als Versagen der Eltern angesehen. Die Eltern fühlen sich oft ausgegrenzt, missverstanden und mit einem Schandmal gezeichnet.

Ich wohne in einer kleinen Ortschaft mit damals 1.500 Einwohnern. Wir hatten damals eine sehr verständnisvollen Pfarrer, der wusste, wie neugierig und „gesprächig“ die Dorfgemeinschaft war.

Normalerweise läuten die Glocken nach Bekanntwerden des Todesfalles 10 Minuten vor der Beerdigung. Unser Pfarrer unterlies dies und Niemand wusste vorher, wer da beerdigt wird, damit wir in Ruhe Abschied nehmen konnten.

Sicher sprach sich unser Schicksal danach rum und die Anteilnahme war schon sehr groß. Doch gleichzeitig hatte man immer das Gefühl, das diese Anteilnahme auch eine gehörige Portion Neugierde beinhaltete.

Und nach einiger Zeit hatte man das Gefühl – auch innerhalb der eigenen Familie – das genug getrauert sei und man sich dem Leben zuwenden solle.

Ich für meinen Teil musste ja auch relativ schnell in die „Normalität“ zurück und arbeiten gehen. Danach war ich so mit der Trauer und Sorge um meine Frau beschäftigt, dass ich Selbst meine Trauer und ganz besonders mein Hadern mit Gott nicht zu ließ.

Dies ist heute zum Glück anders, doch es wird immer wieder diese Tage geben, an denen ich zurück blicke.

Mit Stolz zurück blicke, denn irgendwann und diese Worte sind an alle gerichtet, die aktuell trauern – egal um wenn Sie gerade trauern – irgendwann geht auch diese tiefe Traurigkeit im Herzen vorbei und es wird Momente geben, an den Eure Herzen mit soviel Liebe und Glück gefüllt ist, das Ihr vor Freude weint.

Wenn Ihr Eurer Trauer und euren Tränen von Anfang an den Raum lasst, den Ihr braucht.

Schämt Euch nicht Eurer Tränen, Männer!

Friedhof Seligenstadt

Gedenkstätte für Sternenkinder

Bei einem meiner Streifzüge durch die nähere Umgebung bin ich mit Azrael einmal an das Kloster in Seligenstadt am Main gefahren. In direkter Nachbarschaft zum Kloster fand ich auf dem Alten Friedhof eine Gedenkstätte für Sternenkinder.

Da ich nicht damit gerechnet hatte, erwischte mich die Flut an Emotionen mit voller Wucht.

Die Gedenkstätte schlängelt sich zwischen mehreren Säulen mit kleinen Texten hin zu einer zentralen Installation.

Die Texte auf den Säulen sind sehr anrühren und einfühlsam, beschreiben sie doch sehr gut die Gedanken und Gefühle, insbesondere die Frage nach der Schuld hat mich sehr berührt, habe ich mir diese Frage doch auch immer wieder gestellt…

Friedhofsgeflüster

Von Totenkronen, Wiedergängern und der Angst vor dem Scheintod

So lautet der Titel eines Buches, welches ich Euch heute vorstellen möchte.

Azarel ist Mitglied in einer Facebook-Gruppe von Leichenwagenfahrern und so ist es nicht verwunderlich, das man sich über Möglichkeiten des Treffens austauscht.

Am 21. August 2021 findet in Stade eine Veranstaltung statt

Scientia mortuorum – Von der Wissenschaft der Toten Vol. IV

Nähere Infos: https://www.anja-kretschmer.de/scientia-mortuorum-von-der-wissenschaft-der-toten

bei der sich ca. 10 bis 15 Leichen treffen werden.

Azrael ist auch dabei

Die Organisatorin der Veranstaltung, Anja Kretschmer führt seit mehreren Jahren nächtliche Führungen auf diversen Friedhöfen durch und erzählt dabei amüsantes, interessantes und skurriles rund um den Tod und die damit verbundene Friedhofskultur in Deutschland.

Man merkt in jeder Zeile und besonders im Vorwort, wie leidenschaftlich und mit wieviel Herzblut die Authorin mit dem Thema umgeht. Es ist auch ein Appell und ein Aufruf, unsere Friedhöfe mit Leben zu füllen und dem Tod wieder den Platz in unserer Gesellschaft einzuräumen, den er verdient – Mitten unter uns!

Und nun wünsche ich Ihnen viel Spaß, Anregung und Zeit zum Nachsinnen und freue mich über jeden Besuch auf dem Friedhof. Dem Ort, der einen geschützten Raum für Trauer bietet, ein Ort, an dem wir unsere Verstorbenen wissen und der Ort, der alles über die Geschichte der Menschen, der Region und Tradition vereint. Der Ort, der mittlerweile ebenso vom Aussterben bedroht ist, wie manche Tierarten, weil wir heutzutage lieber „in aller Stille“, sang- und klanglos, von dieser Erde gehen wollen, wie es damals nur für Menschen galt, die ihr Leben nicht ehrenhaft führten.

Friedhofsgeflüster, Anja Kretschmer

Ganz besonders möchte ich Euch das 9. Kapitel des Buches ans Herz legen.

„Eine Blume wollte werden, ging als Knospe von der Erden.“ – Wenn Kinder sterben

Kindergräber sind Denkmäler der wahren Liebe, die uns aufzeigen, dass es weder Alter noch Reihenfolge für unser Lebensende gibt. Nein, der Tod kann immer und überall über uns hereinkommen.

Friedhofsgeflüster, Anja Kretschmer

Mehr möchte ich nicht verraten und ich freue mich darauf, Anja persönlich am 21. August in der Festung Grauerort kennenzulernen. Und wenn ich mit diesem Beitrag Ihre Arbeit unterstützen kann, umso besser.

Genauso, wie ich mich freue, Euch auf dieser Veranstaltung zu treffen!

Zu guter Letzt hier der Link zum Buch:

https://www.anja-kretschmer.de/das-buch

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