Azraels Reisen

Ein Leichenwagen und seine Erlebnisse

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Freizeitstress?

Lebenszeit ist kostbar!

Es war ja schon absehbar, dass die Sommermonate mit Terminen gefüllt sind – doch komme ich derzeit kaum mit dem Bearbeiten von Bildern und Videos und Schreiben von Beiträgen nach.

Und schon steht der nächste Termin an…

Doch zurück zum Anfang:

Azrael in Zivil

Ende Juni habe ich dieses Bild auf Insta und FB gepostet, da wir uns schweren Herzens entschlossen hatten, auf unserer Fahrt nach Kassel nicht mit Azrael zu fahren. 😢

Angesichts der geringen Wahrscheinlichkeit Azrael würdig in Szene setzen zu können und vor dem Hintergrund der Spritpreise durfte mein Alltagsfahrzeug ran.

Auf der Agenda stand das Tote Hosen Konzert in Kassel und am darauffolgenden Tage ein Besuch im Sepulkralmuseum an.

Die ersten Bilder hiervon habe ich schon gepostet, der Bericht folgt demnächst hier im Blog (wenn ich Zeit habe 😂).

Wie es die Ironie des Schicksals wollte, fanden wir direkt vorm Eingang des Museums einen Parkplatz.

Draußen vor der Tür

Das Museum ist definitiv einen Besuch wert, beeilt Euch, denn es steht eine längere Schließung wegen Umbaus an.

Die virtuellen Ausstellungen werden aber sicher weiter verfügbar sein:

https://www.sepulkralmuseum.de/ausstellungen/sonderausstellungen

Doch genug davon – heute konnte ich nämlich etwas anderes Vollenden und ich hoffe es gefällt Euch:

UND HIER SOLLTE EIGENTLICH EINE KLEINER TEASER LAUFEN, ABER ICH BIN ZU DOOF ES HINZUKRIEGEN 🙈

Das Video vom

Leichentreff am Südfriedhof 2022

ist fertig!

Und in voller Länge hier auf YouTube:

https://youtu.be/eMjJq8Fou7k

#staytuned

MÄNNER TRAUERN ANDERS

Aber Sie tun es!

Ach ja, Männer, wie beschreibt Herbert Grönemeyer diese besondere Erscheinungsform „Mensch“:

„Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht

Außen hart und innen ganz weich

Werd’n als Kind schon auf Mann geeicht

Wann ist ein Mann ein Mann?“

Herbert Grönemeyer, Männer (1984)

Sind das tatsächlich Klischees oder ist da was dran – an dem „Männer weinen heimlich“?

Thomas Achenbach, zertifizierter Trauerbegleiter, erzählt und beschreibt sehr plastisch in diesem Buch, wie das ist, wenn Männer trauern – oft unsichtbar, alleine, im Stillen.

An verschiedenen Stellen musste ich schlucken, an anderen hatte ich Tränen in den Augen und immer wieder musste ich lächeln.

Über mich, über uns „Männer“ – wie „schwer“ wir es uns doch machen und wie typisch „männlich“ wir auch bei diesem Thema sind.

Doch das ist nur eine Facette dieses Buches über ein ernstes Thema, welches jeden von uns betreffen wird, denn der Tod wird uns irgendwann in unserem Leben begegnen.

Überfordert mit der Trauer

Und dann ist sie da – die Trauer – eine ganz normale Sache, wenn wir und wenn unsere Gesellschaft sie als etwas ganz natürliches akzeptieren würde – tun wir aber nicht.

Gerade für uns Männer ist der Tod – diese unkontrollierbare Konstante im Leben – ein Schlag in die Magengrube. Der Tod schert sich einen Dreck um unsere Pläne, unsere Ziele und beraubt uns der vermeintlichen Kontrolle über unser Leben.

Und zu allem Überdruss werden wir mit Gefühlen konfrontiert, die in Ihrer Intensität und Plötzlichkeit alles ins Wanken bringen. Wir sind im wahrsten Sinne überfordert damit.

Also versuchen wir mit allen Mitteln wieder Kontrolle zu erlangen, die Situation zu beherrschen, unser Leben in den Griff zu bekommen.

Und lassen der Trauer keinen Raum.

2020 starben über 9.000 Menschen durch Suizid – 75% von diesen 9.000 waren Männer.

Trauer ist normal

Wir, unsere Gesellschaft und insbesondere Wir Männer müssen Trauer zu etwas ganz normalem, etwas alltäglichem machen. Und wir Männer müssen aufhören, heimlich zu weinen.

Wir müssen lernen, unseren Gefühlen, unserer Trauer Raum und Zeit zu geben und unsere Gesellschaft muss diesen Gefühlen genauso Raum und Zeit einräumen.

Wenn ich mit Azrael unterwegs bin, bekomme ich immer wieder vor Augen geführt, wie unsere Gesellschaft mit dem Thema Tod und Trauer umgeht.

Mein Sohn ist 1997 gestorben, vor 25 Jahren und dennoch sind mir solche Momente, wie unten beschrieben, auch heute noch, nicht fremd.

Thomas Achenbach tut genau das in seinem Buch – Trauer als einen ganz normalen Prozess zu beschreiben. Und das dieser Prozess seine, ganz individuelle Zeit braucht – denn jede Trauer ist anders und es gibt nicht das Eine Rezept.

Das Buch ist kein Ratgeber ala Trauerbewältigung in 30 Tagen – es ist ein sehr fundiertes Buch, welches hilft, trauernde Männer besser zu verstehen und zu begleiten.

Nicht mehr, aber vor allem nicht weniger.

#lesenswert

Pfingsten 2022

Eine besondere Ehre

Nachdem wir in Leipzig angekommen waren, haben wir uns natürlich das Völkerschlachtdenkmal und den Südfriedhof angeschaut. Auch den VEID haben wir besucht.

Doch dazu in einem weiterem Beitrag später mehr.

Leichenwagentreffen

Der Höhepunkt war natürlich das alljährlich stattfindende Treffen der Leichenwagen am Pfingstsamstag.

Sammelpunkt ist ab 11 Uhr an der Westseite des Hauptbahnhofs, dann geht es in einem Konvoi – genehmigte Demo – zum Südfriedhof.

Hier war es ein ganz besonderer Moment als die Lady Leiche gefragt wurde, ob sie den Konvoi in Andenken an Rocky anführen möchte.

Wir waren schon überglücklich, die Lady Leiche hierher gebracht zu haben und nun dies!

Mit jeder Minute stieg die Anspannung, bis es dann losging:

In Gedenken an Rocky

Fast 30 Leichenwagen fuhren gemeinsam in einer langen Kolonne durch Leipzig bis zum Südfriedhof.

Dort waren dann tatsächlich 32 (!) Fahrzeuge versammelt.

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