Ein Leichenwagen und seine Erlebnisse

Schlagwort: Gedanken (Seite 1 von 5)

Lebenszeichen

Real Life

Schon wieder ist einige Zeit vergangen, seitdem ich hier etwas geschrieben habe.

Insbesondere vor dem Hintergrund des täglichen Sterbens in der Ukraine und der damit verbundenen rasanten Veränderungen ehemals für unmöglich gehaltener Entwicklungen ist das Leben noch komplexer geworden.

Vieles erscheint nebensächlich und gleichzeitig sinnlos.

Es herrscht Krieg in Europa.

Menschen sterben, Menschen werden ermordet während sie mit dem Fahrrad eine Straße entlang fahren, bleiben tagelang irgendwo liegen oder werden irgendwo einfach verscharrt.

Würdevoller Abschied

Wie soll in einer solchen Umgebung ein würdevoller Abschied möglich sein?

Es ist ja noch nicht einmal möglich, überhaupt Abschied zu nehmen, da man nicht weiß, wie es seinen Lieben, seinen Angehörigen geht.

Man Selbst ist auf der Flucht oder ist geflüchtet oder lebt schon seit Wochen irgendwo in einem Keller oder U-Bahn.

Vielleicht erfährt man irgendwann vom Tod des Bruders, Vaters, der Mutter, des Nachbarns, einer Freundin…

Trauer

Und dann gibt es da aber keinen Ort an dem man Blumen niederlegen könnte, denn es gibt kein Grab.

Vielleicht ist da lediglich ein großer Trümmerhaufen oder ein Massengrab.

Wer weiß das schon?

In stillem Gedenken an all die Toten der unzähligen Kriege in der Geschichte der Menschheit

Recht auf Trauer

Wer bestimmt das Ende der Trauer?

Was soll das?

Leider erlebe ich es immer wieder, das Hinterbliebene über unangemessene Bemerkungen, Unverständnis und wohlmeinende Ratschläge erzählen.

Da ist es die Kollegin, die der Meinung ist, eine Trauer müsse doch nach 6 Wochen vorbei sein und man könne wieder arbeiten gehen, bis hin zu vermeintlich tröstenden Worten von nahen Verwandten „Ihr seid ja noch Jung.“ oder „Er hatte ein erfülltes Leben.“

Es gibt sie, die ganze Bandbreite, welche letztlich dazu führen, dass die Hinterbliebenen Ihre Trauer nicht oder nur unvollständig bewältigen können.

Sie fühlen sich missverstanden und ausgegrenzt, vielleicht, weil sie an bestimmten Tagen „immer noch“ Rituale pflegen, die Sie trösten und mit dem Verstorbenen verbinden.

Schämt Euch Eurer Tränen nicht!

Doch wo steht es geschrieben, dass eine Trauer nach einem halben Jahr oder Jahr vorbei sein muss?

Jeder Trauerprozess ist verschieden und wir – die Ausstehenden – können und dürfen hier kein Urteil fällen!

Im Gegenteil – es liegt an uns, den Trauerprozess zu begleiten, zuzuhören oder einfach nur da sein und damit den Schmerz, den die Hinterbliebenen erleiden, wenigstens ein klein wenig zu mildern.

Weltbild

Ich weiß nicht, woran es liegt, dass Trauer in unserer Gesellschaft immer mehr ausgegrenzt wird.

Wir sollen uns Ziele setzen (nur der Erfolg zählt), Arbeit suchen, die uns Spaß macht (Muss ich unbedingt arbeiten?), mich von Dingen und Menschen, die uns nicht gut tun, trennen.

Verleugne ich damit nicht die Endlichkeit unseres Lebens?

Verleugne ich damit nicht das Wichtige im Leben?

Spuren in den Herzen zu hinterlassen und nicht Erbe anzuhäufen?

Wer umgibt sich schon gerne mit jemanden, der trauert, der uns mit seiner Trauer die eigene Sterblichkeit vor Augen führt?

Jeder Mensch hat ein Recht auf Trauer!

Und Niemand sollte sich um seine Tränen schämen müssen!

And if you want to be high, be high
And if you want to be low, be low
‚Cause there’s a million ways to go
You know that there are

Cat Stevens
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