Ein Leichenwagen und seine Erlebnisse

Schlagwort: Totgeburt (Seite 1 von 2)

Magic Lights Tour – Tag 5 – 5. Teil

Kinder & Tod

Grabanlage für Föten

Ich hätte nicht gedacht, dass ich über meinen Besuch auf dem Waldfriedhof in München insgesamt 5 Beiträge schreiben würde.

Selbst heute – über eine Woche nach meinem Besuch dort – überkommen mich die Emotionen bei diesen Bildern.

Diesen Text habe ich aus d.er offiziellen Webseite der Stadt München entnommen (am 18.07.2021):

Diese Grabanlage ist für die Bestattung von Föten vorgese­hen, die bei der Fehlgeburt weniger als 500 Gramm Körper­gewicht haben.

Um ein zentrales Allgemeindenkmal in der Mitte sind kreis­förmige Segmente angeordnet. Der Kreis symbolisiert Un­endlichkeit, schafft gleichzeitig einen geschützten Raum.

An der Säule des Denkmals können auf Wunsch der Hinterbliebenen die gedachten Namen der Kinder eingraviert werden. Die mittlere Insel um das Denkmal dient gleichzeitig als Ablagefläche für Blumen, Lichter und kleine Trauergaben.

Das Nutzungsrecht an dem Fötengrab kann nur einmalig für drei Jahre erworben werden. Danach kann in dem Grab eine weitere Beerdigung eines Kindes stattfinden.“

Grabanlage für Föten auf dem Neuen Teil des Waldfriedhofes in München

Ruhestätte für tot geborene oder kurz nach der Geburt verstorbene Kinder

Ebenfalls im Grabfeld 601 befindet sich diese Ruhestätte:

Hier ebenfalls ein Auszug aus der Webseite der Stadt vom 18.07.2021:

„Die Gesamtanlage bietet eine Ruhestätte für tot geborene oder kurz nach der Geburt verstorbene Kinder. Sie besteht seit Herbst 2012 aus zwei Einzelanlagen: Eine „Schnecke“ und ein „Schmetterling“. Die spiralförmige Anlage in Form einer Schnecke mit einem kleinen Baum in der Mitte assoziiert Aufgehobenheit, Geborgenheit und Unverletzlichkeit. Die Tiersymbole sind Zeichen für die Hoffnung sowie die Seele des verstorbenen Kindes.

Jedes der kleinen Gräber (80 x 60 cm) ist einzeln ausgewiesen und wird beliebig lange zur Nutzung überlassen. Der Mindestnutzungszeitraum beträgt drei Jahre.

Die Anlage wird im Auftrag der Städtischen Friedhöfe München gärtnerisch unterhalten und gepflegt. Die Städtischen Friedhöfe München stellen den Angehörigen große Kiesel zur Verfügung, die bemalt oder mit dem Namen des Kindes versehen und am Bestattungsplatz abgelegt werden können. So erhält jedes Kind ein individuelles Grabzeichen.“

Ich kann es nur immer wieder sagen: Jede Trauer benötigt Zeit und Raum zur Bewältigung. Jeder Verlust eines geliebten Menschen ist ein traumatisches Ereignis, welches für die Hinterbliebenen oft mit viel Schmerz und Leid verbunden ist, der nur zum Teil von Ausstehenden nachvollzogen werden kann.

Ich will nicht sagen, dass der Verlust eines Kindes, egal mit welchem „Geburtsgewicht“ oder in welchem Alter auch immer, größeren Schmerz oder Leid erzeugt – mit Sicherheit nicht.

Doch oft schafft der gesellschaftliche Umgang mit dem Tod eines ungeborenen Kindes oder eines Kindes zusätzliches Leid – unbedacht geäußerte Worte, wie „ihr seid doch noch jung“ sind leider an der Tagesordnung.

Darum geht es mir mit diesem Blog, mit meinen Besuchen auf Friedhöfen und die Berichterstattung darüber, mit meinen Reisen mit Azrael – zu Sensibilisieren und den alltäglichen Tod und unseren Umgang damit zu thematisieren und offen damit umzugehen.

24 Jahre

Heute vor 24 Jahren kam mein Sohn Marcel auf diese Welt.

6 Wochen vor dem Entbindungstermin starb er im Mutterleib. Von Jetzt auf Gleich zerbrach eine Welt für mich und lange, lange Zeit habe ich meine Trauer nicht zugelassen.

Habe dafür gekämpft, dass er einen Namen bekam (1997 erhielten wir lediglich eine Sterbeurkunde mit dem „Namen“ Totgeburt Männlich, die Gesetze wurden erst ein Jahr später geändert).

Habe meine Trauer mit der Fürsorge für meine Frau zugedeckt, habe mich auf meine Arbeit konzentriert, später dann auf meine Familie – ich habe heute zwei weitere Söhne – doch getrauert habe ich nicht.

Dies ist mir erst in den letzten Jahren nach meiner Scheidung gelungen und meine Prioritäten im Leben haben sich seitdem verschoben, ich habe wieder zu mir Selbst gefunden, die Trauer zugelassen und meinen Frieden mit dem „Schicksal“ geschlossen (ab und zu hadere ich trotzdem damit).

Was will ich damit sagen?

Trauer braucht seine Zeit, Trauer braucht Raum, Trauer muss zugelassen werden!

Und wenn es 24 Jahre sind und es werden sicher auch in den nächsten 24 Jahren Tage gegeben, an denen ich Trauern werde.

An alle, die von einem Verlust betroffen sind – schämt Euch nicht Eurer Tränen – nehmt Hilfe an, wie zB. vom VEID eV. und an alle, die in Ihrem Bekanntenkreis jemanden kennen, der trauert, sei gesagt:

Alles braucht seinen Raum und seine Zeit!

Und wenn es ein Leben lang ist…

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